Wie angekündigt war am letzten Mittwoch der „Äppelwoi – Anstich“ beim Obst- und Gartenbauverein (OGV). Bei dieser Veranstaltung können Hobby-Kelterer ihr Stöffsche präsentieren und von den Anwesenden verproben lassen. Also Live-Verkostung mit direktem Feedback.
In Summe wurden 8 Proben eingereicht. Die meisten haben ganz klassischen Äppler hergestellt, nach traditioneller Art gekeltert. Basis war bei allen eine gesunde Apfelmischung, keiner war mit Speierling, einige mit Quitte (einer sogar mit 50% Quitte).
Was uns wunderte war, dass einige nicht die eigenen Äpfel keltern. D.h. entweder man bringt seine Äpfel zu einem Großkelterer und bekommt ‘irgendeinen’ Saft zurück, oder man besorgt sich gleich nur den Saft, ohne Äpfel zu haben.
Auch das Selbst-Pressen ist nicht selbstverständlich – wie gesagt besorgen sich einige nur den Saft, andere bringen ihre Äpfel zum Pressen.
Die Tatsache, dass wir die ganze „Prozesskette“ in den Händen halten (und an diesem Jahr sogar die Apfelaufzucht) war zumindest in dieser Runde die Ausnahme.
Aber nun zum Wichtigsten: Der Verkostung.
Jeder Probant musste 5 Liter seines Stöffsche mitbringen. Der Vositzende hat dann nacheinander ausgeschenkt. Jeder Teilnehmer hat ein paar (manche auch ein paar mehr) Worte zu seinem Äppelwoi gesagt (Aufzucht und Hege), und dann wurde probiert. Farbe, Geruch, Geschmack wurden nacheinander beurteilt.
Farblich war das Spektrum von blass gelb bis golden, von klar bis trüb vertreten. Unser Äppler liegt in der golden-trüb Ecke. Die Farbe wurde i.A. neutral beurteilt.
Beim Geruch gab es dann die ersten kritischen Stimmen, kann man hier doch schon Fehltöne und Säure erkennen … oder ganz laienhaft: Ein Stöffsche das nicht angenehm riecht, wird einem auch nicht gut schmecken – wobei es sich hier natürlich um ganz subjektive Kriterien handelt. Unser Stöffche zeigte keinen Fehlton, mit einem von vielen als angenehm empfundenen Geruch.
Der Geschmack ist dann doch das entscheidende Kriterium: Was nutzt eine tolle Farbe und ein feiner Geruch, wenn die Plörre nicht schmecken will. Und auch hier geht alles streng subjektiv zu – mild/ sauer, fruchtig/streng … alles „Geschmacksfrage“. Schön fanden wir allerdings den mehrfach verwendeten Begriff „Frauen-Apfelwein“.
Und? Wie ist unser Äppler nun beim Publikum angekommen?
Wir denken es war ganz positiv – es gab zumindest keine negativen Stimmen. Es gab ein explizites Kompliment („Bester der Runde, ich hol mir gleich noch einen!“), aber wohl jeder Teilnehmer hat wenigstens ein solches Kompliment bekommen – wie gesagt: alles Geschmackssache.
Für uns ist vor allem wichtig, dass der Äppler auch in einem neutralen Gremium auf Freunde gestoßen ist – die eigene Wahrnehmung ist also nicht von der eigenen Begeisterung getrübt.
Dann folgte der ganz wichtige Teil der Fachsimpelei. Wir haben wieder eine Menge gelernt, und konnten auch schon mit den gemachten Erfahrungen an der Diskussion teilnehmen. Wir waren positiv überrascht über den offenen Austausch, hatten wir doch bisher immer den Eindruck, der Kelterer spreche eher über sein Intimleben als über seine Äpplergeheimnisse.
Fazit der Diskussion: Jeder macht’s anders (hier ist der Äppler gemeint) - aber eines ist bei allen ganz wichtig: Reinlichkeit, und der Ausschluss von Luft. Diskutiert wurden Vor-/Nachteile von Kunststoff- vs. Glasbehältern, der richtige Zeitpunkt des Abzugs von der Hefe … und in welches Behältnis man dann abzieht, welcher Raum sich besonders gut zum Keltern eignet, usw usw usw.
Zum Schluss: Nun stehen ca. 100 L Apfelwein bei uns im Keller, der offenbar trinkbar ist. Bei aller Liebe zum Äppler: Das werden wir nicht alleine trinken! An alle Teilnehmer und Freunde des Apfelfestes, und somit direkt oder indirekt an der Entstehung des Äpplers Beteiligte: Wer mag, kann sich gerne sein Stöffsche abholen!